28. Tuberkulose-Symposium

Mittwoch, 27. März 2019 - Magglingen

Seit 2008 ist die Zahl der Tuberkulosefälle in unserem Land relativ stabil geblieben: Mit einem Tiefpunkt von 463 Fällen im Jahr 2012 und einem Höhepunkt im Jahr 2016 (611 Fälle) ist die Zahl der 2017 gemeldeten Fälle (534) genau der Durchschnitt der letzten 10 Jahre (www.bag.admin.ch/tuberkulose). Die Diagnose der Tuberkulose bleibt jedoch schwierig und ist oft verzögert. Eine schweizerische multizentrische Studie (C Auer et al; 2018), die am Symposium vorgestellt wird, schätzt die Zeitdauer von den ersten Symptomen bis zum Beginn der Behandlung auf 11 Wochen (Medianwert, d.h. 50% darüber, 50% darunter). Die Zeit nach der ersten Arztkonsultation macht ungefähr die Hälfte dieser Zeitspanne aus, trotz der heute verfügbaren äusserst effektiven Diagnoseinstrumente. Die Hälfte aller Patienten sucht als erstes den Hausarzt auf, ein Drittel ein Spital (Polikliniken und Notaufnahmen). Für diese Konsultationen braucht es also eine weitere Sensibilisierung für Tuberkulose.

Im klinischen Alltag stellen einige Patientengruppen besondere Herausforderungen dar. Was die Diagnose betrifft, tritt die Tuberkulose bei sehr alten Menschen oft schleichend mit unspezifischen klinischen Zeichen auf. Es besteht ein gewisses Risiko, dass die Diagnose erst zu einem viel späteren Zeitpunkt gestellt wird. Bei der einheimischen Bevölkerung treten 50% der Tuberkuloseerkrankungen im Alter von über 60 Jahren auf. Gleiches gilt für extrathorakale Fälle, die von Nichtspezialisten oft unbemerkt bleiben, weil sie selten geworden sind.

Die Sicherung der Behandlung über die notwendige Dauer ist bei einem Teil der Patienten schwierig. Die soziale Unsicherheit oder die Arbeitsplatzsuche zwingt einige unserer Patienten und Patientinnen zu grosser und nicht immer vorhersehbarer Mobilität – nicht nur innerhalb der Schweiz, sondern manchmal europaweit. Diese Schwierigkeiten sowie die Tuberkulose-Behandlungsresultate werden auf schweizer Ebene diskutiert.

Die Einhaltung der Tuberkulosebehandlung (Adhärenz) bleibt eine weltweite Herausforderung. Die überwachte Medikamenteneinnahme (DOT: Directly Observed Treatment) wird von der WHO seit Mitte der 90er Jahre gefördert, um die Einhaltung der Behandlung zu verbessern. Ihre Wirksamkeit ist allerdings in systematischen Analysen der letzten Jahre nicht belegt. Dieses Vorgehen kann besonders bei MDR-TB oder XDR-TB wichtig sein. In der Schweiz sind der Einsatz von DOT und seine Modalitäten von Fachstelle zu Fachstelle unterschiedlich. DOT kann von Patienten als mühsam und zeitaufwendig empfunden werden und erfordert manchmal eine teure Logistik. Innovative Lösungen unter Einsatz neuer Kommunikationstechnologien (Handyanwendungen, Videointerviews usw.) könnten den Weg für eine weniger belastende DOT ebnen, sowohl für Patienten und Patientinnen als auch für Fachpersonen.

Für das wissenschaftlichen Komitee:
Jesica Mazza-Stalder
Laurent Nicod
Otto Schoch
Peter Helbling
Jean-Paul Janssens
Jean-Marie Egger

Programm


swissTB-Award 2019

swissTB-Award 2019

Otto Brändli – Schweizerische Lungenstiftung, Wald

Preisträgerin MSc Kathrin Zürcher
Preisträgerin MSc Kathrin Zürcher

Drug susceptibility testing and mortality in patients treated for tuberculosis in high-burden countries: a multicentre cohort study

Kathrin Zürcher, Institute of Social and Preventive Medicine (ISPM) - Universität Bern

Preisträgerin Dr. Marie Ballif
Preisträgerin Dr. Marie Ballif

Marie Ballif - Institute of Social and Preventive Medicine (ISPM) - Universität Bern

Medienmitteilung und Informationen unter Schweizerische Stiftung für Tuberkulose-Forschung


Präsentationen

Begrüssung / Einführung

Jörg Spieldenner - Lungenliga Schweiz, Bern


Verzögerung in der Diagnose von Tuberkulose

Christian Auer – Swiss Centre for International Health des Schweiz. Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH), Basel


Tuberkulose bei älteren Personen (Französisch)

Jesica Mazza-Stalder –  DAT des CHUV, Lausanne und Lungenliga Waadt


Diagnostische Schwierigkeiten bei extra-thorakaler Tuberkulose (Französisch)

Jean-Paul Janssens – Universitätsspital Genf


Schwierigkeiten in der Nachsorge von Patienten (Französisch)

Jean-Pierre Zellweger – Lungenliga Schweiz


Patientenbetreuung und Erhebung von Therapieresultaten am Beispiel von zwei kantonalen Lungenligen

Tanja Schneider – Lungenliga St. Gallen / Bea Začek – LUNGE ZÜRICH


Tuberkulose Behandlungsresultate in der Schweiz in den Jahren 2016 und 2017 (Englisch)

Ekkehardt Altpeter – Bundesamt für Gesundheit BAG, Bern


Digital technologies to support tuberculosis patients

Dennis Falzon – World Health Organization (Global TB Programme), Geneva


Randomised controlled trial of Video Observed Treatment for Tuberculosis in England

Andrew Hayward – UCL Institute of Epidemiology and Health Care, London


Video observed treatment for tuberculosis patients in Belarus

Alena Skrahina – Republican Research and Practical Centre for Pulmonology and Tuberculosis, Minsk


Treatment of tuberculosis in migratory populations in Europe

Giovanni Battista Migliori – WHO Collaborating Centre for Tuberculosis and Lung Diseases, Istituti Clinici Maugeri, Tradate


Concluding remarks

Jean-Paul Janssens – University Hospital of Geneva


Impressionen

BASPO Magglingen
BASPO Magglingen
Aufgang
Aufgang
Check-in
Check-in
Empfang
Empfang
Austausch
Austausch
Sponsoren
Sponsoren
Moderation Otto Schoch
Moderation Otto Schoch
Teilnehmende
Teilnehmende
Referenten
Referenten